Wp Geschichte 3

Im Wandel der Zeit

Höhen und Tiefen der Weimarer Porzellan Manufaktur

Weimar - eine historische & kulturelle Begegnungsstätte

… das Porzellan ist gut, besser als man es gantz in der Nähe zu machen vermag und nicht teuerer.
J.W. von Goethe
in einem Brief an Frau von Stein

Der Name Weimar steht für die großen Traditionen dieser Stadt und wurde Schauplatz für wichtige Ereignisse der Weltgeschichte. Im Stil des Klassizismus, von Menschen wie Goethe und Schiller und der Ernsthaftigkeit des Designs geprägt, gelangte Weimar Porzellan rasch zu weltweiter Bekanntheit.

Bis heute spiegeln bekannte Namen der Porzellanserien den Zeitgeist der jeweiligen Epoche wieder: So werden bei der Form Belvedere die Einflüsse Napoleons und des Klassizismus lebendig und die barocke Form Katharina, benannt nach Zarin Katharina der Zweiten, ist aus der historisch gewachsenen Verbindung des Weimarer Herzogenhauses zu dem russischen Zarenhaus hervorgegangen.

Enge Verbindungen zum Fürstenhof spiegeln sich auch bei dem beliebten Dekor „Rose von Weimar“ wider. Die Rose gilt als die Lieblingsblume von Frau von Stein und ist eine versteckte Liebeserklärung an die Romantik der Weimarer Gärten.

Geschichte Klassizismus

Gründung der Porzellanmanufaktur

Marke 100319 1790

8. Juni 1790 - Der Fabrikant und Keramiker Christian Andreas Speck bat Graf Friedrich von Hatzfeld in Blankenhain eine Porzellanfabrik zu errichten. 1. Juli 1790 - die Konzession zur Porzellanherstellung in Blankenhain wurde von Graf Friedrich von Hatzfeld in Wien genehmigt. Der feuersichere Produktionsort sollte das 1780 erbaute Schiesshaus werden, das Speck erwarb. Zur Produktion von Porzellan kam die Tonerde aus Tannroda, quarz- und feldspathaltiger Sand aus Schwarza und aus der Umgebung von Blankenhain. Die Masse wurde in der eigenen Mühle am Seeteich gemahlen und geschlämmt.

Die Bedingungen für die Porzellanfabrikation waren gut, lediglich die Herrschaften wechselten in der Zeit. Erst nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und nach dem Wiener Kongress, kehrte die politische Stabilität zurück. Speck gelang es, sich mit den jeweiligen Obrigkeiten zu arrangieren, so dass die Porzellanproduktion nicht beeinträchtigt wurde. 1797 stellte Speck erste Porzellanerzeugnisse auf der Leipziger Messe vor. Anfang 19. Jahrhundert Herstellung von Tafelgeschirr für den bürgerlichen Haushalt, mehr oder weniger „ordinäre Ware“ wurde hergestellt. 1816 wurden 155 Arbeiter von Speck beschäftigt. 1817 brannte beinahe die Fabrik vollständig ab. Danach wurde der Wiederaufbau zügig vorangetrieben. Am 30. Dezember 1830 stirbt Christian Andreas Speck im Alter von 69 Jahren.

Geschichte Biedermeier

Periode der Instabilität

Nach dem Tode von Christian Andreas Speck erwarb der Landkammerrat Gustav Vogt die Fabrik. Was er von der Porzellanherstellung verstand, ist nicht bekannt, jedoch verließ er sich auf die guten Mitarbeiter, die ihm Christian Speck hinterließ. Im März 1836 verkaufte Vogt die Porzellanfabrik an Gottfried Sorge für 17.000 Reichstaler, vermutlich wegen fehlendem Fachpersonal. Sorge hat wesentlich mehr für die Porzellanfabrik bezahlt, als sie eigentlich Wert war, daher musste Sorge schon bald Konkurs anmelden. Aus der Konkursmasse erwarb wieder Gustav Vogt die Fabrik, um diese für 8.300 Reichstaler an Herrn Streitbarth zu verkaufen. Streitbarth geht 1841 mit Herrn H. Kästner aus Weimar eine Verbindung ein. Beide strafften die Produktion, aber die Zeichen der Zeit vor der bürgerlichen Revolution standen alles andere als günstig für solche Unternehmungen. 1847 gaben Streitbarth und Kästner auf und legten die Fabrik vorerst still, bevor sie Weimar Porzellan an die Familie Fasolt veräußerten.

Geschichte Impressionismus

Phase der 1. Modernisierung

Die Familie Fasolt kam aus Selb nach Blankenhain und modernisierte zunächst den Betrieb. 1856 nach dem Tode Viktor Fasolt übernahm seine Witwe Elisabeth die Geschäfte. 1879 übergab sie die Leitung an ihre Söhne Max und Karl Fasolt. Elisabeth Fasolt unterhielt zu dem Porzellanunternehmer Eduard Eichler, der sich 1856 an der Fabrik beteiligte, eine nicht näher zu definierende Beziehung. 

Wesentliche Ereignisse in dieser Phase waren:

  • die neuen Fabrikmarke - das sächsische Rautenschild - die eingeführt wurde,
  • 3 große neue Öfen zum Glüh- und Glattbrand wurden gebaut und 
  • eine neue Dampfmaschine angeschafft, um die Massemühle auf dem Fabrikgelände betreiben zu können. 

Weitere Neuerungen und Modernisierungsmaßnahmen fielen in diese Zeit, die geprägt war von einem ständig steigenden Grad der Technisierung des Betriebes. Ein wichtiger Punkt war die Einrichtung der Bahnverbindung Weimar-Blankenhain im Jahr 1887, was ein großer Vorteil für die Fabrik war, die zu dieser Zeit schon hauptsächlich Porzellanware in großen Stückzahlen herstellte. Somit wurde der Transport verbilligt und die Produktionszahlen stiegen konstant. 1879 übernehmen die Söhne Max und Karl Fasolt die Leitung des Unternehmens.

Geschichte Jugenstil Kubismus

Vor dem ersten Weltkrieg

Geschichte - Bodenmarke WEIMAR um 1900

Als Beweis für die rege Exporttätigkeit des Unternehmens erhält die Rautenschildmarke 1900 den Zusatz „Germany“. In dieser Zeit stiegen die Produktionszahlen konstant und man glänzte durch hervorragende Qualität des Porzellans. Die Zusammenarbeit mit Eichler gestaltete sich positiv und der zunehmende Einfluss der Duxer Porzellanmanufaktur trug zudem Früchte. Technische Erfahrungen, Personal und Modelle wurden ausgetauscht und Lieferengpässe konnten beseitigt werden.

Einen Rückschlag erlitten beide Betriebe durch den ausbrechenden 1.Weltkrieg. Der Export fiel weg und die Mitarbeiter wurden zur Front gezogen.

Geschichte 20 Jahre

Weimarer Kobaltmalerei

Wp Geschichte 23

1917, gegen Ende des 1. Weltkrieges, erwarb der Hamburger Kaufmann Ernst Carstens die Porzellanfabrik in Blankenhain von der Duxer Porzellanmanufaktur AG. Kaum hatte er den Betrieb übernommen, um sie als „ E. Carstens KG “ weiterzuführen, ergänzte er die Fabrikmarke mit einer Krone und einem Lorbeerkranz - zum Einläuten einer neuen Ära.

Doch aller Anfang war schwer: die Rohstoffe und das Heizmaterial waren knapp und 300 Arbeiter und 20 Angestellte mussten beschäftigt werden. Auch die Geldentwertung war verheerend. Die Exportmärkte mussten neu akquiriert und aufgebaut werden. Durch stilistische Erneuerung des Angebotes und einer Preisanpassung zu Gunsten der Kunden, gelang es der Familie Carstens die Exportmärkte neu zu beleben. Mit dem Namen Carstens ist die Einführung der seither berühmten Weimarer Kobaltmalerei verbunden. Schon 1926 wurde in Blankenhain das Kobaltporzellan produziert, das vermutlich auf die guten Kontakte Carstens nach Böhmen zurückzuführen ist. Diese Veredlung des weißen Scherbens gilt bis heute als eine besondere Handwerkskunst. Das kostbare, festliche Kobaltblau, verleiht dem Material eine besondere Ausstrahlung, vor allem wenn es mit filigranen Ornamenten in Gold dekoriert wird. Carstens folgte den künstlerischen Trends des Jugendstils und richtete die Produktion an den Kundenwünschen aus. Inzwischen war Weimar Porzellan mit seinem Stil in England, Belgien, Finnland, Holland, Spanien, Schweiz, USA und in den Ländern des islamischen Orients bekannt und geschätzt.

1928 wurde die geschützte Marke Weimar Porzellan eingetragen. Erwähnenswert sind die immer wieder auftauchenden Lohnkämpfe in der Historie von Weimar Porzellan. Carstens führte seinen Betrieb jedoch mit „eiserner Hand“, um in der Weltwirtschaftskrise nicht unter zu gehen. Die Dumpingpreise, mit denen sie exportierten, mussten die Arbeiter bezahlen. Daher wurde die Fabrik oft bestreikt. Der längste Streik dauerte im Jahre 1929 drei Monate lang an. Nach dem Tode von Carstens führte die Witwe und die zwei Söhne die Fabrik weiter bis der Betrieb am 18 Juli 1948 in Volkseigentum überging.

Geschichte 50 80 Jahre

Der Volkseigene Betrieb

In der Zeit als Volkseigener Betrieb bemüht man sich einen äußerst leistungsfähigen, modernen Betrieb aufzubauen. Große Investitionen in Bauten, Maschinen und Einrichtungen wurden derzeit getätigt. Eine neue Produktionshalle (1962), moderne Elektro-Kobalt-Tunnelöfen (1963) sowie die Umstellung auf Rollerproduktion in der Dreherei (1963-65) wurden beispielsweise finanziert. 

Durch die Eingliederung in das Kombinat Feinkeramik Kahla verlor Blankenhain seine Eigenständigkeit als Porzellanfabrik. Neben den Vorteilen der Zugehörigkeit zu einem Großkonzern und der Kollektivierung litt die künstlerische Kreativität. Das künstlerische Profil der Produktion wurde auf den Geschmack der hauptsächlich östlichen Exportmärkte ausgerichtet. Dies bedeutete die Rückkehr zu altbewährten Formen und Dekoren, um die Devisen bringenden Märkte nicht zu verlieren.

Postmoderne

Die Zeit nach der Wende

1992 erwirbt die Firma Herbert Hillebrand Bauverwaltungs-Gesellschaft mbH mit Sitz in Kerpen-Horrem von der Treuhandanstalt Erfurt, die Porzellanfabrik und führt diese als „Weimar Porzellan GmbH“ als „Unternehmen der Familie Hillebrand“ bis im Frühjahr 1995 weiter. Im April 1995 wurde Konkurs angemeldet, bis Juni 1995 wurde Weimar Porzellan durch einen Konkursverwalter geführt. Im Juni 1995 kaufen dann die Stadt Blankenhain, British American Ltd. und Optima Immobilien GmbH Anteile aus der Konkursmasse von Weimar Porzellan auf. British American Ltd. und Optima Immobilien GmbH verkauften ihre Anteile im Laufe der Jahre 1995/1996 an drei leitende Angestellte (Finanzen, Verkauf und Produktion) der Firma, die somit 51 % der Anteile besaßen. Die Stadt Blankenhain war weiterhin mit 49% an Weimar Porzellan beteiligt. 2006 erfolgt die erneute Übernahme von Weimar Porzellan durch Geschwister Hillebrand GmbH, Geschäftsführer waren Katharina Hillebrand und wiederum die 3 leitenden Angestellten, die auch schon 1995-1996 in der Geschäftsleitung waren.

Im Januar 2007 kauft Könitz Porzellan GmbH das Unternehmen Weimar Porzellan. Geschäftsführer und Inhaber ist Turpin Rosenthal, der in der 6. Generation in der Porzellanbranche tätig ist.

Geschichte Gegenwart

Die Gegenwart

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Im Jahre 2015 feierte Weimar sein 225-jähriges Bestehen mit Höhen und Tiefen in der Unternehmensgeschichte und gehört zu den ältesten Porzellanmanufakturen Deutschlands.

Die Porzellanbranche ist seit Jahren in der Krise. Einbrechende Märkte im mittleren Osten, politische Instabilitäten und die lang vorherrschende „Geiz ist Geil“ -  Mentalität in Westeuropa machen neue Produkte und Kommunikationswege notwendig. Weimar Porzellan stellt sich diesem Spagat zwischen Tradition und Moderne und ergreift zahlreiche Maßnahmen zur Modernisierung:

  • Umstrukturierung der Produktion
  • Spezialisierungen auf eine noch anspruchsvollere Weißproduktion
  • Sonderanfertigungen für hochklassige Marken - „handcrafted in Germany“

Zudem wird das klassische Produktsortiment für das 21. Jahrhundert neu interpretiert. Neue Formen und Linien erreichen eine anspruchsvolle, junge Zielgruppe.

Porzellanmacherkunst für das 21. Jahrhundert

Als erstlich die Schönheit, zum anderen die Rarität und drittens die mit beyden verknüpfte Nutzbarkeit.
Johann Friedrich Böttger
Erfinder des Porzellans

Ein hoher Anspruch an Design, Form und Qualität lässt Weimar Porzellan bis heute immer wieder erfolgreich die Anpassung an den Geschmackswandel der Zeit gelingen. So findet sich in den aktuellen Designs die moderne Formgebung des Bauhauses wieder. Eine Stilrichtung, die Walter Gropius in den 1919 Jahren in Weimar begründete.

Mit hochwertigen Dekoren im klassischen Stil und ebenso durch klare Bauhaus-Formen setzt Weimar Porzellan Zeichen für sein lebendiges, vielseitiges und kontrastvolles Porzellanschaffen. „Made in Germany“ steht bis heute an erster Stelle.

Porzellan ist Ausdruck jener „drey Qualitäten“ die Johann Friedrich Böttger, der Erfinder des weißen Goldes, so am Porzellan faszinierten. In dieser Tradition steht Weimar Porzellan als eine der ältesten und schönsten Marken Europas. Weimar Porzellan, das ist die ideale Verbindung von traditionsreichem Porzellanhandwerk und den technischen Möglichkeiten eines Unternehmens des 21. Jahrhunderts.

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